Bettina Baeßler

Andersdenkerin. Ärztin. KI-Dirigentin.

Ich mache einfach alles anders, als „man“ es so macht. Nicht aus Prinzip. Ich habe lange versucht, den Konventionen zu folgen. Bis ich gemerkt habe: Das funktioniert für mich nicht.

Angefangen hat alles mit Ärger.

Ich saß als Studentin in den Radiologie-Vorlesungen und dachte: Das kann doch nicht alles sein.

Schwarz-weiße Bilder auf PowerPoint-Folien, viel Technik, wenig Medizin. Mit dem, was Ärzt:innen später bei Patient:innen tatsächlich brauchen – und vor allem mit dem, was dieses wunderbare Fach (wie ich heute weiß) ausmacht – hatte das wenig zu tun. Damals habe ich mir geschworen, die Lehre eines Tages besser zu machen.

Zur Radiologie bin ich dann doch noch gekommen – über Umwege und über die Erkenntnis, dass dieses Fach genau die Schnittstelle ist, die mich reizt: zwischen Medizin und Technik, zwischen Detail und großem Bild. Früh in meiner Laufbahn bin ich kardiale Bildgeberin geworden und habe an der Herz-MRT geforscht. Die Herzbildgebung ist bis heute mein fachliches Zuhause.

Was folgte, war eine klassische Karriere: Promotion, Fachärztin, Habilitation in Köln, Oberärztin an drei Universitätskliniken (Mannheim, UniversitätsSpital Zürich, Würzburg), in Würzburg mit Sektionsleitung und Professur für klinische Radiologie mit Schwerpunkt KI in der Bildgebung. Dazu über 100 Fachpublikationen, und ich wurde vielfach mit Preisen ausgezeichnet. Ab 2024 war ich zusätzlich ärztliche Leiterin einer Region in einem radiologischen Praxisverbund. Ich kenne das System also nicht nur von der Universität aus, sondern auch aus der Niederlassung.

Auf dem Papier lief alles nach Plan. Nur fühlte es sich nie so an.

Schon während dieser ganzen Zeit arbeitete ich gegen das an, was mich störte. Ich habe die radiologische Lehre noch während meiner Weiterbildung komplett umgekrempelt, Fördermittel eingeworben, digitale Formate entwickelt, lange bevor das selbstverständlich war. Ich habe die Kommission gegründet, aus der das Diversity-Netzwerk der Deutschen Röntgengesellschaft wurde, und den Podcast RADiversum gestartet und 36 Folgen lang moderiert. Am Weltfrauentag 2021 habe ich LernRad gegründet, mit zwei Kolleginnen. Nicht als Ausstieg, sondern aus Leidenschaft für die Lehre und für die Radiologie, und weil ich die Zukunft unseres Fachs mitgestalten wollte. Nebenbei, in den Lücken, die der Alltag gelassen hat: spät abends, am Wochenende, zwischen Klinikdiensten, Zweitwohnungen und Universitätsverpflichtungen. Fünf Jahre lang. Dass ich mir damit einen Weg gebaut hatte, der zu mir passt, habe ich erst viel später verstanden.

Ich wollte das System, das sich für mich so unpassend anfühlte, verändern, es besser machen – auch wenn ich noch nicht benennen konnte, warum es sich überhaupt so anfühlte.

Denn was ich lange nicht wusste: Ich bin neurodivergent. Vieles, was für andere selbstverständlich schien – der Dauerlärm in Befundungsräumen, das ständige Unterbrochenwerden, die permanente Fremdbestimmung – kostete mich ungleich mehr Kraft. Ich leistete viel. Aber mein Körper trug die Rechnung dafür, lange bevor ich verstand, warum: gesundheitliche Krisen, die mit den Jahren nicht seltener wurden, sondern häufiger, heftiger.

Ich bin nicht das Problem. Aber ich musste aufhören, mich an einer Struktur aufzureiben, die nicht für Menschen wie mich gebaut ist.

Die eigentliche Erkenntnis kam ausgerechnet auf dem Höhepunkt – mitten in einem Berufungsverfahren auf eine W3-Professur. Von außen der Gipfel. Von innen der Punkt, an dem mein Körper endgültig nicht mehr mitmachte. Da begriff ich etwas, das ich mir jahrelang verboten hatte: Ich kann dieses System von innen nicht so weit verändern, wie es nötig wäre – jedenfalls nicht, ohne dabei selbst zugrunde zu gehen. Und ich bin auch nicht der einzige Mensch, dem es in diesem System so ergeht.

2025 habe ich die akademische Medizin verlassen, seit 2026 bin ich Unternehmerin in Vollzeit. 2026 war ich Kongresspräsidentin des Deutschen Röntgenkongresses.

Heute baue ich an dem, was mir in all den Jahren gefehlt hat. Mit LernRad, das ich heute gemeinsam mit meiner Geschäftspartnerin führe (sie ist seit 2023 dabei), an einer Radiologie-Fort- und Weiterbildung, die aktiv statt passiv funktioniert. Mit meinem Schreiben und meinem Podcast an einem ehrlicheren Gespräch über die Radiologie und die Medizin – über KI, über Weiterbildung, über Neurodivergenz in der Medizin, über mentale Gesundheit, über die Frage, wie viele verschiedene Wege durch die Medizin eigentlich möglich sind.

Den Betrieb hinter LernRad baue ich gerade mit KI-Agenten um. Dabei gilt: Kein Fall, kein Kurs, keine Didaktik kommt aus einer KI. Die Inhalte machen wir selbst: Wir stehen vor der Kamera, wir entwickeln die Didaktik, wir recherchieren und bauen die Fälle. Die Agenten übernehmen die Planung und die vielen Handgriffe im Marketing, damit unsere Zeit in die Inhalte geht. Nichts geht raus, was nicht meine Geschäftspartnerin oder ich freigegeben haben. Der Umbau ist nicht fertig. Was schiefgeht, zeige ich auch. Nicht hinterher, wenn es gut ausgegangen ist.

Die Texte dazu erscheinen bald hier.

Und weil die Herzbildgebung mein Fach geblieben ist, biete ich Patient:innen eine Zweitmeinung zu Herz-CT und Herz-MRT an. Anfragen gerne an zweitmeinung@bettina-baessler.de.

Ich glaube nicht, dass es den einen richtigen Weg gibt, Ärztin zu sein. Ich bin der lebende Beweis, dass es auch anders geht.

Stationen, Preise und Ämter

Werdegang

2002–2010Studium der Humanmedizin, Universität Bonn
2011Promotion, Universität Bonn (magna cum laude)
2011–2018Uniklinik Köln: Weiterbildung, 2017 Fachärztin für Radiologie, Schwerpunkt kardiale Bildgebung, Leiterin der Arbeitsgruppe „Multiparametrische Bildgebung und Radiomics“, Lehrkoordinatorin für das Fach Radiologie
2018Habilitation, Universität zu Köln
2018–2019Oberärztin, Universitätsmedizin Mannheim, Leiterin „Medical Imaging Informatics and Radiomics“
2019–2021Oberärztin mit Schwerpunkt kardiale Bildgebung, UniversitätsSpital Zürich, Leiterin der Cardiovascular Imaging and Data Science Group
2021–2025Oberärztin und Leiterin der Sektion kardiovaskuläre und thorakale Bildgebung, Professorin für klinische Radiologie mit Schwerpunkt KI in der Bildgebung, Universitätsklinikum Würzburg
seit 2021Gründerin und Geschäftsführerin der LernRad GmbH
ab 2024Ärztliche Leiterin einer Region und Leiterin der kardiovaskulären Bildgebung in einem radiologischen Praxisverbund
2023MBA Essentials, London School of Economics
2026Kongresspräsidentin des Deutschen Röntgenkongresses

Auszeichnungen

2022Most Effective Radiology Educator, AuntMinnie Europe
2015Trainee Research Prize der Radiological Society of North America (RSNA)
2022Most Cited Paper Award 2021, Insights into Imaging
2020Wilhelm-Conrad-Röntgen-Preis der Deutschen Röntgengesellschaft
2020Wachsmann-Innovationspreis der Deutschen Röntgengesellschaft, für das digitale Lehrangebot CoRad-19
2018Walter-Friedrich-Preis der Deutschen Röntgengesellschaft
2016Abstract-Preis der Deutschen Kardiodiagnostiktage
2015Regional Scholarship Award der Society for Cardiovascular Magnetic Resonance (SCMR)
2006BONFOR-Forschungspreis, Universität Bonn
Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes

Frühere Ämter

Erste Social Media Editor der Zeitschrift European Radiology

Deputy Editor für kardiovaskuläre Bildgebung, Radiomics und KI, Journal of Magnetic Resonance Imaging

Associate Editor, Journal of Cardiovascular Magnetic Resonance

Chair der Quantitative MR Study Group der ISMRM

Chair des ISMRM Education Committee (Cardiovascular Table)

Vorsitzende des Education Committee der EuSoMII

Gründerin der Kommission Diversity@DRG, heute Diversity-Netzwerk der Deutschen Röntgengesellschaft

Forum Lehre und Vorstandskommission Lehre der Deutschen Röntgengesellschaft

Mitarbeit am Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalog Medizin (NKLM)

Audit & Standards Subcommittee der European Society of Radiology

Expertengruppe des BMBF zu digitalen Daten für KI in der Gesundheitsforschung

Publikationen

Über 100 Fachpublikationen, teilweise in hochrangigen Fachjournalen wie Radiology, European Radiology und JACC: Cardiovascular Imaging.

→ Vollständige Liste (ORCID)

Interviews und Porträts

2026„Nachhaltig ist das, was ich verstehe und anwende!“, Interview, Radiologen WirtschaftsForum (Ausgabe 7/2026)
2023Keynote ISMRM Toronto, Bericht in AuntMinnie Europe
2022Porträt in der Reihe „Women in Science“, Computer Vision News
Porträt in der Reihe „Women in Science“, Universitätsklinikum Würzburg
2021Interview zu LernRad, RöFo / Mitteilungen der Deutschen Röntgengesellschaft